Anlagetrends die Zweite: Mit grünen Ideen den mageren Zeiten trotzen?

Erst vor wenigen Tagen fand mit der „Invest“ in Stuttgart die größte deutsche Messe für Finanzen und Geldanlagen statt, auf der sich Anleger über die neuesten Anlagetipps und –trends informieren konnten. Viele Besucher hat dabei wohl vor allem die Frage umgetrieben, wie sich bei der aktuellen Zinslage (seit März steht der Leitzins der EZB bei 0,00 Prozent) überhaupt noch sinnvoll investieren lässt. Glaubt man den Organisatoren, so liegt man derzeit vor allem mit nachhaltigen Geldanlagen genau richtig. Aber was macht eine Anlage eigentlich zu einer nachhaltigen und kann man damit tatsächlich Geld verdienen?

Die Deutschen lieben es nachhaltig

Nachhaltigkeit ist im Trend – das zeigt schon allein die Tatsache, dass die „Invest“ ihre Ausstellungsfläche 2016 mit dem Partner „Grünes Geld“, DER Messe für nachhaltige Investments, teilte. Im Rahmen dieser Veranstaltung hatten Verbraucher Gelegenheit, sich an Ort und Stelle einen Überblick über die ganze Bandbreite von Anlagemöglichkeiten zu verschaffen, die mit ethischen und ökologischen Standards überzeugen wollen. Und davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge.

Doch woher kommt dieser plötzliche Boom der sogenannten „grünen Geldanlagen“? Zum einen liegt es wohl daran, dass gerade in Deutschland ökologische und soziale Aspekte im täglichen Leben eine immer größere Rolle spielen und zunehmend Lebensführung und Kaufverhalten der Menschen beeinflussen. Wer über ein gewisses Einkommen und damit die nötige finanzielle Freiheit verfügt, setzt häufig auf fair produzierte Nahrung und Kleidung, auf Strom aus alternativen Energiequellen oder die Stärkung regionaler Produkte. Genau diese Werte möchte er nun auch in seiner Geldanlage abgebildet wissen.

Anlegen mit gutem Gewissen

Dem Wunsch nach verantwortungsvollen Kapitalanlagen sind mittlerweile kaum noch Grenzen gesetzt: Ob Aktien, Immobilienfonds, Lebensversicherungen oder Festgelder – für alle Arten gängiger Anlageprodukte lässt sich schon jetzt ein „grünes“ Pendant finden, mit dem man der Gesellschaft und dem eigenen Gewissen Gutes tun kann. Wer in Windparks oder Photovoltaik investiert, hat das Gefühl, aktiv an der Energiewende mitzuwirken, wer sich mit seinem Geld an der Vergabe von Mikrokrediten in Schwellenländern beteiligt, kann zu einer positiven Entwicklung in bis dato benachteiligten Teilen der Welt beitragen.

Klimaschutz, biologische Landwirtschaft, Gesundheit oder die Unterstützung sozialer Projekte im In- und Ausland – unter grünem oder ethischem Investment werden viele verschiedene Bereiche und Anliegen zusammengefasst. Allen gemein ist, dass sie mit einem Höchstmaß an Transparenz für die Anleger werben: Diese sollen ganz genau wissen, was mit ihrem Geld passiert. Gleichzeitig will man Dinge wie Kinderarbeit, Menschenrechtsverletzungen und Waffenhandel durch den Stempel „nachhaltig“ von vornherein ausschließen.

Auch Grünes kann glänzen

Wer grün investiert, der setzt auf soziale Verantwortung: Macht das diese Geldanlagen damit zu einem Investitionsfeld für Gutmenschen? Nein, so einfach ist die Rechnung nicht. Auch wenn für einige Anleger tatsächlich allein der ethische Nutzen im Vordergrund steht, stellt Nachhaltigkeit für die meisten nur ein zusätzliches Plus dar. Alle anderen Kriterien – Rentabilität, Volatilität und Liquidität – spielen bei nachhaltigen Produkten ebenso eine Rolle wie bei konventionellen. Und auch die Spielregeln sind identisch: Je größer die Rendite, desto größer das Risiko – das gilt leider auch für grüne Geldanlagen. Klar ist, dass wie bei jeder Investition die Entscheidung für eine nachhaltige Anlage wohl überlegt sein sollte. Es lohnt sich, dabei auch den „Grün-Faktor“ (also den Grad der Nachhaltigkeit) gründlich unter die Lupe zu nehmen – von Dunkelgrün bis zu einem Hauch von Lind kann da nämlich so ziemlich alles vertreten sein. Und die Expertenmeinungen? Nicht wenige, die glauben, dass Nachhaltigkeit tatsächlich Zukunft hat. Und wenn bereits Großinvestoren ihr Vermögen in Wind- und Solarparks unterbringen, kann man davon ausgehen, dass sich hier eine lohnende Entwicklung abzeichnet.

Rendite einmal anders

Und noch etwas Interessantes zum Schluss: Gerade in Zeiten niedriger Zinsen, so scheint es, lassen sich viele in besonderem Maße von grünen Produkten überzeugen. Denn obwohl alle risikoarmen Anlagen, ob konventionell oder nachhaltig, in puncto (monetärer) Rendite aktuell mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, glauben Anleger offenbar, dass sich nachhaltiges Investment zumindest auf andere Weise auszahlt – indem es uns dem Traum von einer besseren Welt ein Stückchen näher bringt.

 

 

 

 

 

 

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